Lottosechser
Aktive Väter müssen die soziale Norm sein - und nicht die belächelte Ausnahme. Deshalb ist ein einkommensabhängiges Kinderbetreuungsgeld zu begrüßen. Es nimmt nämlich Karenzverweigerern ihr liebstes Argument.
Einfach war das österreichische System, Eltern im weltweiten Vergleich überdurchschnittlich lange Kinderbetreuungszeiten zu finanzieren, schon bisher nicht: „30 plus sechs“, „20 plus vier“ oder auch „15 plus 3“ beziehen sich auf die Karenzdauer, klingen aber wie Varianten im staatlich sanktionierten Glücksspiel. Fast so selten wie Lottosechser sind hierzulande Väter in Karenz. Zurzeit stehen dürftige 7442 Männer 157.003 Frauen gegenüber; der Erfolg diverser Imagekampagnen für „neue Väter“, die Kinderbetreuung nicht als Wochenendhobby betrachten, für das sie auch noch gelobt werden wollen, ist überschaubar.
Deshalb ist die Einführung einer vierten Kindergeld-variante, die auf die Höhe des Einkommens karenzwilliger Eltern abzielt, zu begrüßen. Damit wird nämlich dem Hauptargument vieler Verweigerer – „Ich würde ja, wenn wir es uns leisten könnten!“ – der Boden entzogen. Wenn, wie geplant, auch noch die absurd komplizierten Zuverdienstregelungen vereinfacht werden, bewegt sich Österreich einen Schritt vorwärts.
Immer noch irrlichtern Weltbilder herum, in denen eine Hausfrau sich und ihre wohlerzogene Kinderschar adrett um einen starken Ernährer gruppiert. Aber das Ziel einer zeitgemäßen Familienpolitik bleibt ein partnerschaftliches Kinderbetreuungsmodell, an dessen Anfang eine selbstverständliche Väterkarenz steht. Das wäre ein staatlich garantierter Lottosechser für alle Beteiligten: Kinder finden in einer hochsensiblen Entwicklungsphase männliche Bezugspersonen, an denen es in Betreuungseinrichtungen mangelt. Frauen kehren selbstverständlicher und früher ins Erwerbsleben zurück. Und Männer lernen nicht nur, Windeln zu wechseln, sondern auch gesellschaftlich erwünschte Teile ihrer Persönlichkeiten zu entfalten.
In einem idealen Staat ist der aktive Vater die soziale Norm – und nicht die von richtigen Kerlen belächelte und von denkfaulen Arbeitgebern sittenwidrig unter Druck gesetzte Ausnahme.

