Jul
01.
2009

Yes, they can!

Am Ende jubelten die Brasilianer, als ob sie der Rekordzahl ihrer Weltmeistertitel gerade einen sechsten hinzugefügt hätten. Da war die Welt dann doch wieder in Ordnung. Die Erde dreht sich nun einmal um die Sonne und nicht umgekehrt; der Ball ist rund, das Fußballparadies liegt auf dem amerikanischen Kontinent, aber zwischen dem fünften Breitengrad Nord und dem 33. Breitengrad Süd. Und wenn Brasilianer gegen US-Amerikaner Fußball spielen, wetten nur schwer süchtige Risiko-Junkies auf die Amerikaner.
Oder Leute, die – um nur ja jeden Opportunismusverdacht zu vermeiden – immer zu den Außenseitern helfen. Oder zu denen, die keiner mag. Oder zu denen, die keiner ernst nimmt.
Am Ende jubelten die Südamerikaner. Zwischenzeitlich aber hatten die Nordamerikaner im Finale des Confederations Cups 2:0 geführt und die brasilianischen Fußballgötter größte Mühe gehabt,
die kühnen Erdlinge an ihren Platz im Staub fußballerischer Nichtigkeit zu verweisen.
Da war der Fan, der seinen Brasilien-Opportunismus  lieber als Treue definiert, arg in Versuchung geraten, die Seite zu wechseln und dem Underdog die Sensation zu wünschen.
Weil: Seit die Amis der Welt Barack Obama gesandt haben, haben sich Bush-gespeiste antiamerikanische Reflexe ja erübrigt. Nur weil Soccer in den USA nach wie vor nicht als richtiger Fußball gilt, heißt das ja nicht, dass es nicht genügend Amis gibt, die das Spiel richtig gut können. Und nur weil wir in Europa nicht wahrnehmen, dass es auch im Norden Amerikas Fußballer gibt, heißt das ja nicht, dass die USA in der FIFA-Weltrangliste nicht schon bisher an 14. Stelle standen und ab heute noch weiter vorn sein werden.
Weil aber die Brasilianer doch noch 3:2 gewannen, werden sie heute das USA-Opfer Spanien an der Spitze der FIFA-Rangliste ablösen. Und die Welt ist wieder in Ordnung.